Ein ungezähmtes Mädchen

Eine dramatische Liebesgeschichte vor der mondänen Kulisse Stockholms

Ein ungezähmtes Mädchen
Simona Ahrnstedt
Lyxx/Bastei Lübbe Verlag
2017
511 Seiten
ISBN
978-3-7363-0457-4

Klappentext:
Beatrice Löwenstrom ist jung, intelligent und nicht willens, nur geistlose Zierde für einen Mann zu sein. Als sie den äußerst charismatischen Seth Hammerstaal trifft, knistert es auf Anhieb zwischen ihnen. Bei Seth kann Beatrice ganz sie selbst sein, er ist der erste Mann, der ihre Klugheit und ihren rebellischen Charakter liebt und sie nicht allein wegen ihres Äußeren oder Standes begehrt. Doch ihr Onkel hat sie längst dem skrupellosen Grafen Rosenschöld versprochen – und diesem ist jedes Mittel recht, um den Willen der rothaarigen Schönheit zu brechen …

Bewertung:
Simona Ahrnstedt (ja, ich weiß, der Name fällt inzwischen öfter auf unserem Blog 😉 ), beschreibt in diesem Roman eine klassische, wunderbare Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen, die sich zu einander hingezogen fühlen und doch immer wieder durch das Schicksal und viele Intrigen voneinander getrennt werden. Die Geschichte spielt in Schweden um 1880, wechselt jedoch auch an andere, bedeutende europäische Orte der damaligen Zeit. Das Besondere, das dieses Buch hervorhebt, ist jedoch der Charakter der Protagonistin Beatrice. Entgegen der damals üblichen Ansicht, dass eine Frau schweigsam, hübsch und zurückhaltend sein soll, ist Betatrice eine Querdenkerin. Sie ist intelligent, gebildet und durchaus dazu bereit ihre Meinung kundzutun. Nicht zuletzt mit diesem Charakterzug und ihrem lebhaften Temperament beeindruckt sie den reichen Norweger Seth Hammerstahl, der ihr fortan den Hof macht. So beginnt die Geschichte und nimmt nach den ersten hundert Seiten schnell an Fahrt auf. Aus der anfänglich prickelnden Zuneigung der beiden, entwickelt sich eine intrigenreiche Geschichte um Stand, Macht und Einfluss. Mich konnte diese Entwicklung absolut überzeugen, sodass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte und gezwungen war, jede freie Minute zum Lesen zu nutzen. Über viele hundert Seiten hinweg habe ich mit den beiden gefiebert und gehofft, mich geärgert und mit dem erfolglosen Wunsch gekämpft, das Buch beiseite zu legen. Was die Liebesgeschichte angeht, fehlt es diesem Buch wirklich an nichts. Es eignet sich wunderbar zum Träumen und Schmachten – wer dafür etwas übrig hat, ist hiermit wunderbar beraten.


Zudem hat mir die emanzipatorische Grundstimmung in einem Roman, der um 1880 spielt, sehr gut gefallen. Hier wird ein wichtiges und interessantes Thema angesprochen.
Was mich jedoch ein wenig gestört hat, waren die wenigen Details über den Zeitgeist und die damaligen Gepflogenheiten. Da es sich bei diesem Buch um einen historischen Roman handelt, hätte ich mir mehr Beschreibungen und Hintergründe gewünscht. An einigen Stellen ist es mir schwer gefallen ein klares Bild davon zu bekommen, wie die Städte, die Garderoben und die Einrichtungen der damaligen Zeit aussahen. Hier war ich auf mein eigenes Wissen angewiesen, konnte dem Roman jedoch nur sehr wenige Informationen darüber entnehmen.


Der Schreibstil von Simona Ahrnstedt konnte mich aber auch in diesem Buch wieder absolut überzeugen. Ich bin sicher in ihr eine neue Lieblingsautorin entdeckt zu haben. Es werden also noch viele weitere Bücher von der Autorin folgen.

Fazit:
Ein gelungener Liebesroman mit runden und überzeugenden Charakteren vor einer imposanten Kulisse. Hinreißend romantisch und spannend. Vielleicht ein wenig zu schlicht für einen historischen Roman, was aber mit der ereignisreichen Handlung weitgehend ausgeglichen wird. 

vier-sterne

Lieblingszitat:

„Eine Frau muss akzeptieren, dass der Mann gewisse Dinge eben besser weiß“, bemerkte Leonite scharf. Kopfschüttelnd sah sie Beatrice an, und das Licht spiegelte sich in ihren dunklen Korkenzieherlocken. „Das ist nichts, worüber man Witze machen müsste, das ist einfach eine Tatsache. Der Mann muss das Haupt der Frau sein.“
„Sie teilen diese Meinung natürlich, nicht wahr?“ Seth hatte sich wieder an Beatrice gewandt. „Ich meine, dass der Mann das Haupt der Frau sein muss.“
Beatrice legte den Kopf schräg, und Seth hätte schwören können, dass sie ihm kurz zuzwinkerte. „Eine schwere Frage“, sagte sie dann. „Ich für meinen Teil bin sehr wählerisch, wenn es um das Haupt geht, dass über mich herschen soll.“ Sie hob ihre Glas und ihre ganze Haltung schien ihn herauszufordern.
„Meinen Sie nicht, dass ich mir meinen eigenen Kopf erlauben sollte, auch wenn ich nur eine Frau bin?“


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