Phantasmen

„Es ist leicht, über etwas zu lachen, das du im Fernsehen siehst; wenn der Geist deines toten Ehemanns plötzlich neben dir im Bett steht, ist das eine ganz andere Nummer.“


Phantasmen (Rezensionsexemplar)
Kai Meyer
Carlsen
400 Seiten
ISBN 978-3-551-31521-2

Klappentext:
„Eines Tages tauchen sie aus dem Nichts auf – die Geister der Toten. Und stündlich werden es mehr. Sie stehen da, bewegungslos, leuchtend, ungefährlich. An der Absturzstelle eines Flugzeugs, mitten in der einzigen Wüste Europas, warten Rain und ihre Schwester Emma auf die Geister ihrer verunglückten Eltern. Auch Tyler, ein schweigsamer Norweger auf einem Motorrad, ist hierhergekommen, um seine große Liebe Flavie noch einmal zu sehen. Dann erscheinen die Geister. Doch diesmal lächeln sie. Und es ist ein böses Lächeln.“

Bewertung:
Danke erst einmal an Carlsen für dieses Rezensionsexemplar!
Eigentlich bin ich ein großer Fan von den Büchern von Kai Meyer, aber dieses Buch konnte mich leider nicht so richtig fesseln.
Die Idee zu dieser Geschichte an sich war wirklich interessant, wodurch ich das Buch auch nicht aus der Hand gelegt habe, aber die Umsetzung hat mich an einigen Stellen doch nicht mitreißen können.

Der Einstieg in die Geschichte beginnt eher schleppend. Man kann nicht genau sagen, worum es überhaupt geht. Wer die beiden Protagonistinnen überhaupt sind, hat sich für mich auch nicht sofort erschlossen. Klar, die beiden sind Schwestern, aber was es nun wirklich mit ihnen auf sich hat, soll wohl erst später klarwerden.

Die ganze Zeit wird aber immer wieder erwähnt, dass Rain, die ältere der Beiden, die gleichzeitig die Erzählerin ist, eine schlimme Zeit in Afrika verbracht haben soll. Natürlich dachte ich dabei gleich an etwaige Konflikte und Kriege dort. Ein Buch über eine traumatisierte Soldatin oder Bürgerrechtlerin erschien mir wirklich spannend. Obwohl sie dabei ihre „roten Dreadlocks“ doch sehr gestört haben müssten…
Als das ganze aber später endlich aufgelöst wird, war ich doch ziemlich enttäuscht. Natürlich muss diese Erfahrung für sie wirklich traumatisch gewesen sein. Leider hat es mich in der Erzählung aber doch regelrecht genervt, wenn sie ständig wiederholt, wie schrecklich „Afrika“ war.
Dazu kommen dann später noch ein paar Szenen, die ziemlich künstlich eingesetzt wirken, damit Rain noch ein paar Panikattacken bekommen und der Leser ihr Trauma verstehen kann.

Wer aber die Geschichte für mich doch ein wenig herausgereissen konnte, war ihre kleine Schwester Emma.
Dieses Mädchen ist einem sofort sympathisch, auch wenn sie keine Gefühle zeigt. Denoch wirkt sie echt und man kann die anderen Charaktere verstehen, die eine Art Beschützerinstinkt für die 17-jährige entwickeln. Die Unschuld eines so jungen Mädchens, das doch eher zufällig in so eine grausame Welt geworfen wird, muss einfach bewahrt werden, damit die Menschlichkeit erhalten bleibt.

Auch der junge Norweger Tyler ist ein interessanter Charakter dieses Buchs. Seine Handlungen sind eigentlich durchgängig nachvollziehbar.
Dabei hat mir auch sehr gut gefallen, dass dieses Buch nicht wie andere Jugendbücher diese obligatorische Liebesgeschichte vorweisen, bei der man auf der Hälfte des Buchs die Augen verdreht. Nein, Tyler ist bereits vergeben und will seine große Liebe Flavie noch ein letztes Mal sehen, als die Geschichte ihren Lauf nimmt.

Mit diesen beiden Charakteren konnte ich doch sehr gut mitfiebern. Leider war aber die wichtige Figur, nämlich die Protagonistin, absolut nicht mein Fall, sodass es mir extrem schwer fiel, mich in ihre Lage zu versetzen.

Auch das Ende empfand ich als nicht so optimal, wie es der Verlauf der Geschichte erwarten ließ. Davon will ich aber nichts verraten!

Vielleicht hätte mir der Roman insgesamt besser gefallen, wenn mir die Protagonistin mehr zugesagt hätte, denn die Idee um Geister, die dort auftauchen, wo sie gestorben sind und Menschen mithilfe eines Lächelns töten, ist wirklich interessant.
Denn nur hin und wieder, wenn auch die Protagonistin Rain vergessen hat, welche Probleme sie hat, wurde es für mich tatsächlich spannend.

Habt ihr das Buch schon gelesen? Schreibt mir doch gerne in die Kommentare, wie es euch gefallen hat oder ob ihr es noch lesen wollt.

zwei-sterne

Lieblingszitat:

„Um mich war es stockfinster.
Mit einem Stöhnen wälzte ich mich vom Rücken auf den Bauch. Wo war die Tür? Mit steifen Gliedern versuchte ich, auf alle viere zu kommen. Wie lange hatte ich so dagelegen? Möglicherweise nur ein paar Minuten, vielleicht aber auch länger.
>>Emma?<<, brachte ich krächzend hervor und bekam keine Antwort.“

(S. 359)


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3 Gedanken zu “Phantasmen

  1. Mir hat der Roman damals auch nur mäßig gefallen. Das Buch hätte für mich besser als Film funktioniert, denn es gab viel Action, aber wenig Tiefe. Aber irgendwie bin ich generell nicht mehr so der Kai-Meyer-Fan wie früher.

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